Cattle Station Woche 3

~Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde~

Diesen Spruch muss ich nur zustimmen, so lang man nicht ein Pferd reitet, um zu arbeiten. In meinen 3 Wochen hier hab ich nur mehr als 20 Stunden im Westernsattel gesessen und mein Hintern erinnert sich an jede einzelne Sekunde. Mein Pferd ist super erzogen und weiß wirklich was wann zu tun ist. Mit 21 Jahren Berufserfahrung erwartet man das aber auch irgendwie. Manchmal jedoch vergisst er, dass ein menschliches Wesen (Ich) auf seinem Rücken sitzt und irgendwas von ihm will. Nach 5 Stunden Kühetreiben hat er meist kein Bock mehr und will nur noch nach Hause. Wer kanns ihm bei 45 °C in der prallen Sonne verübeln? Doch irgendwie muss er sich ja seine Brötchen auch verdienen, weswegen ich übrigens jeden Tag ne halbe Stunde früher aufstehen muss. Während so mancher wilden Jagt durchs Gebüsch ist ihm meine Anwesenheit manchmal auch entwichen, aber ich muss euch was sagen: nur weil er unter den Ast passt, heißt das noch lange nicht, dass ich da auch drunter pass. Trotz all unsere (Naja, eigentlich nur meiner) Probleme, die wir manchmal haben, hab ich ihn ganz tief in mein Herz geschlossen und werde ihn wohl als einzigsten vermissen.

Meine Farm ist eine der letzten Farmen, die das mustering mit Pferden, anstatt mit Motorrädern machen. Motorräder sind in vieler Hinsicht sehr viel praktischer:

  • Sie brauchen nur manchmal „Futter“
  • Sie sind lauter
  • Sie sind flexibler
  • Sie machen immer das, was man will
  • Meistens sind sie bequemer

Damit geht eigentlich alles schneller und kostengünstiger. Aber mit den Finanzen hat man es hier generell nicht ganz soo im Griff, dafür fehlt einfach die Ausbildung und auch ein bisschen der Wille. Ihr müsst wissen, eine verkaufte Kuh bringt zwischen 800 und 1500 $ ein. Deswegen sind die meisten Farmer auch stink reich. Man muss eben nur ein bisschen Ordnung haben uns ein klein wenig seinen Verstand einsetzen.

Und da das hier irgendwie nicht so funktionier, versuchen sie halt oft zu sparen. Alles ist sehr alt und ziemlich morbide. Und für die Arbeiter reicht das Geld gerade so, aber nicht für einen Koch oder ne Putzfrau. Das machen wir dann irgendwann zwischen drin. Auch freie Tage gibt es so gut wie nicht. Am 24. mussten wir 100 Kühe vor dem verdursten retten und generell werden die Tiere jeden Tag spätestes um 8 Uhr morgens von uns gefüttert. Das verursacht natürlich eine Menge Stress und ist perfekter Nährboden für Konfrontationen (die ich ja sowieso recht gerne suche 😂). Im Grunde hält unser Team aber immer zusammen.

Ich will jetzt zwar keinen Bauernhof mehr, aber definitiv einen Hund. Unser Hofhund ist der absolute Hammer und hilft uns steht’s mit all seinen Möglichkeiten.

Ich wünsch euch Frohe Weihnachten und gesegnete Festtage

Eure Julia

Wer übrigens sehen will, wie ich einen Roadtrain fahre, kann sich gerne das Video abholen.